👩🏻🏫 #215 Vertrauen, Wahlkampf und das 4. Schulsystem
Liebe Freunde,
welches Schicksal hinter diesem Bild steckt, ist nicht zu fassen. Emilys Eltern hatten alles versucht. Ärzte konsultiert, Kliniken abgeklappert. Drei Jahre lang. Ihre Tochter kann nicht sitzen. Nicht laufen. Eine schwere Spastik beeinträchtigt alle vier Gliedmaßen. Letzte Woche kam sie zu unserem Kinderarzt Dr. Christian Reibold. Gemeinsam mit Dr. Martina John ordnete er eine MRT-Aufnahme von Kopf und Halsbereich an. Der Befund war eindeutig: Im Bereich des 1. Halswirbels ist das Rückenmark extrem zusammengedrückt. Emily brauchte sofort eine neurochirurgische Operation.

Was war der Grund dafür? Emily kam mit dem Gesicht nach oben zur Welt. Dabei muss es wohl durch eine traumatische Geburt zu einer teilweisen Verrenkung des Kopfes auf der Halswirbelsäule gekommen sein. Drei Jahre lang blieb das unentdeckt.
Unser Neurochirurg Andreas Warkentin trifft erst in der zweiten Jahreshälfte in Peru ein. Er ist dann der einzige im gesamten Bundesstaat Apurímac. Deshalb haben wir Emily nach Cusco verlegt. Drei Jahre lang tappten die Eltern im Dunkeln. Endlich haben sie Klarheit und damit den Weg zur Heilung.
Vertrauen oder Misstrauen?


Betrug am Obststand
John Maxwell hat mal gefragt: Wie kann ich wissen, ob ich jemandem vertrauen kann? Indem ich ihm vertraue. Am Ende ist Vertrauen ein Risiko. Ein Vorschuss. Entweder es wird bestätigt oder man wird enttäuscht.
Mir geht es immer wieder so im Alltag, auf dem Wochenmarkt und in geschäftlichen Beziehungen. Die Geschichte hinter dem Bild erzähle ich in unserer aktuellen Podcast‑Folge.
Vertrauensbruch ist besonders schmerzhaft, wenn man jahrelang eine Beziehung aufgebaut hat und dieses dann ausgenutzt wird.
Als die Menschen die Autos füttern wollten
Es ist noch gar nicht lange her, da war die Panamericana nur eine Schotterpiste nach Abancay. Eine Mitarbeiterin im OP erzählte kürzlich diese Geschichte aus ihrer Kindheit. In ihrem Bergdorf hatte ihre Mutter und die Oma gehört: Da kommen jetzt Autos. Autos transportieren Menschen.
Aber niemand wusste, was ein Auto ist. Das Einzige, was sie kannten, waren Pferde und Lasttiere. Also gingen die Dorfbewohner an die Straße – mit Essen um die Autos zu füttern. In der Hoffnung, transportiert zu werden.
Wir haben alle im OP herzlich gelacht. Und gleichzeitig steckt da so viel drin. Eine Welt, die so nah und so fern zugleich ist.
Zehn Präsidenten und keiner weiß Bescheid

Der Hauselektriker von Diopsi Suyana war diese Woche zum Abendessen da. Ich fragte ihn: Wer ist eigentlich gerade der Präsident von Peru? Er wusste es nicht. Niemand hier weiß es.
Seit 2016 hatte Peru wohl zehn Präsidenten. Einer war ganze sieben Tage im Amt. Der vorletzte wurde Mitte Februar wieder abgesetzt – zu viele Straftaten, Geldwäsche, der übliche Cocktail. Der neue heißt José María Balcázar. Musste ich auch erst googeln.
In vier Wochen ist Wahl. Aber hier oben in den Bergen interessiert das fast niemanden. kein Interesse. Ab und zu fährt ein Auto mit Riesenflagge und Lautsprecher die Panamericana entlang. Das war's. Das Leben geht einfach weiter. Seit Jahren ist Peru gezeichnet von politischer Instabilität. Das Volk wird mit einer Strafzahlung bei nicht Erscheinen bestraft, wenn sie nicht wählen gehen. Das ist wohl der einzige Grund, warum sie es immer und immer wieder tun.
Ich mache alles neu

Die Jahreslosung hat mich nicht in Ruhe gelassen. Was bedeutet es: Alles neu? Ich habe dazu ein neues YouTube‑Video erstellt, das ich dir hier verlinke.
Danke für deine Treue. Nur mit deiner Unterstützung ist unsere Arbeit in Peru möglich.
Es grüßt dich herzlich aus Peru 🇵🇪,
Dr. Benjamin Zeier mit Lena und den Kindern
PS: Das Bild oben habe ich hier im Ort aufgenommen. Die schönsten Momente sind manchmal kostenlos.
